feedback geben und nehmen Gedanken und Anleitung
Lesedauer: 13 Minuten. Zusammenfassung: Feedback ist wie ein Schatz auf der Suche nach deinem Potenzial. Es zeigt dir, was du nicht siehst und hilft dir zu wachsen. Stelle Fragen über deine Wirkung und Stärken.
Gutes Feedback braucht Zustimmung, Vertrauen, Selbstbestimmung und Respekt. „Tough Love“ Feedback ist ehrlich und braucht tiefes Vertrauen zueinander. Für nützliches Feedback plane Zeit ein, sei achtsam, frage nach, sprich über Gefühle und sei dankbar. Feedback ist ein Geschenk für dein Wachstum.

Wachstumsfaktor Feedback: Ein Geben und Nehmen zum stetigen Lernen

Stell dir vor, du befindest dich auf einer Schatzsuche nach deinem größten persönlichen Potenzial. Die Landkarte zu diesem Schatz ist Selbstreflexion – aber ohne Kompass, das heißt ohne aufrichtiges Feedback, könntest du im Kreis laufen. Obwohl ich nicht müde werde, immer wieder und wieder die Wichtigkeit der (Selbst)Reflektion für dein Wachstum zu betonen, soll es heute um eine besondere Art der Reflektion – mit anderen – das Einholen von Feedback gehen.
Wie das am besten gelingt, erfährst du in diesem Artikel. Lass mir sehr gerne am Ende deinen Kommentar da – ich freue mich darauf.

1. Die Rolle des Feedback für die persönliche Weiterentwicklung 

Einer der leuchtendsten Leitsterne auf dieser Reise ist das Feedback. Wichtig ist, dass du dir ein Netzwerk von Menschen aufbaust, mit denen eine echte, wertschätzende und vertrauensvolle Kommunikation möglich ist. Dies ist die Grundvoraussetzung für gelingendes Feedback.
Nur durch den Spiegel, den andere dir vorhalten, erkennst du die blinden Flecken deines Verhaltens und kannst Wege finden, diese auszuleuchten. Für Führungskräfte und Menschen, die nach Erfüllung streben, wird Feedback zur unverzichtbaren Ressource für persönliches Wachstum.

2. Das große Missverständnis mit dem Feedback – KRITIK

Bevor wir richtig einsteigen, lass uns zunächst einmal mit einem großen Missverständnis zum Thema Feedback aufräumen. Immer wieder begegnet es mir, wenn es um Feedback geht:
Ich höre Dinge wie:
„Ich äußere nicht so gerne Kritik.“ oder auch „Ich bin nicht gut im kritisieren und will niemanden verletzen.“
Nein, das ist es NICHT, worum es beim Thema Feedback geht! Feedback ist ganz im Gegenteil auf der anderen Seite des Spektrums angesiedelt. Es braucht Vertrauen und Mut. Es ist frei von Bewertung – und eben deshalb KEINE Kritik. Jedenfalls fühlt sich für mich Kritik um ein Vielfaches schärfer an, als ein wertschätzendes, wertfreies Feedback zu erhalten – um das ich gebeten habe.
Schreib‘ mir gerne, wie du das siehst. Das Thema ist nicht nur wichtig, sondern auch wirklich spannend.
Köln Woche der Seelischen Gesundheit

3. Fragen, die Horizonte eröffnen

So, nun aber lasst uns loslegen: Wie kommst du zu deinem Feedback?
Wie ein Schlüssel, der verborgene Türen öffnet, können gezielte Feedbackfragen einen neuen Blickwinkel gewähren. Nimm dir Zeit, um dein Gespräch vorzubereiten und kläre (am besten schriftlich) für dich vorab, was dir wichtig ist und welche Punkte du unbedingt, in der begrenzten Zeit erfahren möchtest.

 

Beispiele könnten sein:

  • „Welche Energie bringe ich in einen Raum?“
  • „Was schätzen Kollegen besonders an meiner Führung?“
  • „In welchen Situationen sehen mich andere als Anker?“
  • „Wann suchen andere meine Unterstützung, und was sagt dies über meine Stärken?“
Solche Fragen können zu echten Juwelen der Einsicht und deines persönlichen Wachstums werden und dich stärker mit deiner Umgebung verbinden.

Ein wichtiger Nebeneffekt:

Eine vertrauensvolle und gelingende Feedbackkultur wirkt wie ein Wachstumsbeschleuniger für euer miteinander. DENN: Für beide Gesprächspartner ist eine Feedbacksituation etwas besonderes – der Feedbackgeber ist sehr gefordert, wie wir oben bereits gesehen haben und benötigt auch eine gehörige Portion Vertrauen und bewertungsfreie Sicht auf die Welt. (und dich selbstverständlich)

4. Die Säulen wertvollen Feedbacks

Feedback muss konstruktiv sein, um wie Dünger für das Wachstum zu wirken. Sowas hast du sicher schon x-mal gehört, richtig?
Ich finde nur, das Problem an dieser Formulierung ist, dass man sich so schwer vorstellen kann, was dieses ‚konstruktiv‘ in dem Fall eigentlich wirklich bedeutet.
Per Definition bedeutet ‚konstruktiv‘: aufbauend, den sinnvollen Aufbau (2) fördernd, entwickelnd. – Soweit so gut. Ich denke jedoch, dass genau in dieser Beschreibung das Problem liegt, das so viele Menschen mit dem Thema Feedback haben:
Wald - Feedback einholen
Hingeschaut

Der emotionale Faktor im Kontext Feedback

Der emotionale Faktor kommt bei dieser Beschreibung VIEL zu kurz. Aber es ist genau der, den wir benötigen, um einen echten wertschätzenden und vertrauensvollen Rahmen zu kreieren. Es ist eure Intention, also die innere Haltung mit der ihr an diese Sache heran geht, die den Unterschied machen wird.

 

Wenn du dich nun also vor allem darauf konzentrierst,

deinem Gegenüber voller Wertschätzung, ohne Be-Wertung und ohne Ver-Urteilung entgegenzutreten, haben wir mehr oder minder alle Angst-Punkte zum Thema Feedback, die so viele von euch haben, bereits eliminiert.
Sind wir nämlich ohne Bewertung und Verurteilung unterwegs, beginnen wir über unsere Gefühle, Emotionen und Gedanken zu sprechen. Wir berichten davon, wie es UNS GEHT mit dem anderen, was IN UNS passiert und welche Fantasien wir haben. Wir wissen nicht, nein – wir haben eine Fantasie, dass etwas so oder so sein könnte.
Allein damit wendet ihr die Energie des Gespräches und werdet mit mehr Entspannung ganz andere Ergebnisse erhalten.
Wer lernen und üben möchte, sich so zu unterhalten, dem sind die Deep – Listening Abende bzw. die Angebote rund um Resonate Leadership empfohlen – hier beschäftigen wir uns in voller Tiefe mit diesem Miteinander.

Vier wichtige Punkte für dein Feedbackgespräch:

  • Einwilligung: Feedback ist etwas, das jemand einholt. Das bedeutet: DU gibst bitte niemals Feedback, um das DU NICHT gebeten wurdest.
  • Vertraulichkeit und Offenheit: Wenn ihr euch einig seid, kann es losgehen. Sprecht vertraulich, wertschätzend, liebevoll, mitfühlend, wertfrei und verurteilungsfrei miteinander.
  • Zeitfaktor: Legt einen Termin fest und auch eine Zeitspanne. Überlegt, wie viel Zeit zum Reden jede Person haben soll. Ein eher engerer Zeitrahmen hilft euch beim fokussieren. So kommt ihr in die Tiefe und verhindert ein Abschweifen.
  • Reflektieren: Auch hierbei ist reflektieren das Wichtigste! Plant also beide nach dem Gespräch einen Zeitraum für euch alleine ein, um die erhaltenden Informationen zu reflektieren. Denkt immer an den Wissenschaftler, der seine Daten auswertet, aus ihnen lernt und dann weiter forscht. So (und nur so) handhabst du am besten auch dein Feedback.

 

Vogel Nahaufnahme Feedback draußen walk to talk
Für Fortgeschrittene

4. „Tough Love Feedback“ – Tiefe Einsichten für größtes Wachstum.

Manchmal sind es erst die harten Wahrheiten, die uns den größten Wachstumsschub ermöglichen.

Sich als Feedbackgeber zu trauen eben diese harte Wahrheit auszusprechen, benötigt schon eine gehörige Portion Vertrauen – und eben Liebe.
Liebe für die Person, der du sagst, dass sie gerade 100%+X daneben liegt…

Und die deine Worte annehmen kann, eben WEIL sie sich SICHER ist, dass du sie wert-schätzt.

Von lieben im beruflichen Kontext zu sprechen hört sich etwas unpassend an, oder?

Was hier gemeint ist, ist allerdings die Tatsache, dass es tatsächlich um das tiefe Empfinden der Person ‚gewollt, akzeptiert und gemocht wie sie ist‘ geht. Wir können noch so sehr im Businesskontext mit harten Bandagen unterwegs sein. Am Ende des Tages sind wir alle Menschen mit einem sensiblen inneren Wesen und einem Unterbewusstsein, dass auf die Umwelt reagiert. Rationell können wir natürlich manches weg reden – aber tief drinnen schmerzt und sticht es möglicherweise eben doch.

Und genau das ist es, was du dir als Führungskraft, als Partner, als Eltern eben NICHT leisten können möchtest.
<h5>Denn, wenn es drauf ankommt, brauchst du ein Team, das zusammen steht. In dem sich jede*r vertraut.</h5>
Das performt, eben WEIL es keine Energie für unausgesprochene, kognitiv weg gedrückte – aber eben doch wirkende – Verletzungen verbraucht.
So wird klarer, dass wir im ‚tough love‘ Feedback Modus tatsächlich nur in tragfähigen Beziehungen miteinander sprechen können.
Genau deshalb ist es so wichtig für euch, dass ihr eure Fähigkeiten des wertschätzenden Miteinanders, des Deep-Listening und der gelingenden Kommunikation immer trainiert.
Kathrin Heinrich Karriereberaterin Feedback geben und nehmen
2024 voraus. Planung für das nächste Jahr steht an

5. Praxisnahe Tipps für den Austausch von Feedback

Damit die Saat des Feedbacks aufgeht, benötigt sie fruchtbaren Boden. So gestaltest du ein förderliches Umfeld:
  • Terminierung: Widme dem Feedback seine eigene Zeit, vielleicht bei einem Spaziergang in der Natur.
  • Zeitrahmen: Beschränke das Gespräch zeitlich, damit du bei der Essenz bleibst. Das kann so gestaltet sein, dass ihr eine Sprechzeit pro Person vor dem Gespräch definiert.
  • Achtsamkeit: Öffne deine Ohren auch für das Ungesagte und lese zwischen den Zeilen. Nimm Emotionen und körperliche Empfindungen bewusst wahr. (Mehr Input zu der Thematik findest du in meinen Deep-Listening Angeboten)
  • Nachfragen: Verifiziere, ob das Gesagte richtig angekommen ist. Spiegele (paraphrasiere) in deinen eigenen Worten, was du verstanden hast. So vermeidest du effektiv Missverständnisse.
  • Emotionales Echo: Benenne Gefühle, die das Feedback in dir weckt.
  • Dankbarkeit: Sieh jedes Feedback als Geschenk, egal wie schwer es zunächst zu tragen scheint. Versuche mit deiner Achtsamkeit auch bei deinem Gegenüber zu sein, dem es unter Umständen schwer fällt, eben dieses ehrliche Feedback zu geben.

Fazit:

Wenn du Feedback als Lern-Chance begreifst, entfaltet es sein volles Potenzial.

Der erste kleine Schritt hin zu dieser Haltung ist, dass wir uns gemeinschaftlich von dem Gedanken trennen, dass Feedback etwas Negatives bedeutet.

In der Welt, in der wir uns fortwährend entwickeln, bleibt Feedback ein unersetzlicher Wegweiser und ist gleichzeitig ein Barometer für die Qualität und Tragfähigkeit unserer Beziehungen.

Fragen und Antworten

Was ist der erste Schritt, um Feedback sinnvoll in mein Wachstum zu integrieren?

Beginne mit Selbstreflexion und frage dann bewusst nach Feedback.

Wie sollte ich mit kritischem Feedback umgehen, ohne entmutigt zu werden?

Betrachte es als Gelegenheit zur Verbesserung; jeder Hinweis kann ein Baustein zu deiner besten Version sein. Arbeite bereits im Vorfeld am ‚Setting‘. Geht mit der Intention des Feedback voller Mitgefühl für die andere Person in das Gespräch. Besprich das Setting, die innere Haltung und die gewünschte Art des Feedback auch unbedingt mit deinem Gesprächspartner.

Warum sollte ich Zeit für Feedback-Gespräche reservieren?

Indem du bewusst Raum schaffst, signalisierst du die Bedeutung dieses Prozesses und setzt den Rahmen für ein offenes und fruchtbares Gespräch. Der zeitliche Rahmen hilft außerdem dabei, ein Abschweifen zu verhindern und dadurch inhaltlich in die Tiefe zu kommen. 

Aktion steps – inklusive Download dokument: 

- [ ] Netzwerk für wertschätzende Kommunikation aufbauen.
- [ ] Feedbackgespräch vorbereiten und wichtige Punkte schriftlich festhalten.
- [ ] Einwilligung für Feedback einholen und Vertraulichkeit zusichern.
- [ ] Zeitrahmen für Feedbackgespräche festlegen und reflektieren.
- [ ] Dankbarkeit für Feedback zeigen und konstruktiv nutzen.

 

 

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